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Auf dem Weg zum Theaterstar

Auf dem Weg zum Theaterstar

Die Schriftstellerin Lydia Haider ist kurz davor das Theater im deutschen Sprachraum zu erobern. Mit ihrer gewaltigen Sprache bringt sie nun auch die Welt auf der Bühne zum Untergehen. Sie selbst beschreibt ihre Arbeitsweise, als ein oftmaliges Schreiben im Rausch. So gestalteten sich schon immer ihre Performances. Jetzt geht es für sie allerdings auf die großen Bühnen. Im Schauspielhaus Wien und im Volkstheater stehen Uraufführungen ihrer Texte auf dem Programm. Dabei hat das Publikum einiges zu erwarten, bzw. auszuhalten. Solche Publikumsbeschimpfungen hat man lange nicht mehr auf der Bühne gehört.

Die Texte von Haider sind durchzogen von Abkanzelungen und Verdammungen. Mit biblischer Wucht donnern sie auf ihre Zuhörer ein. Bei der 35-Jährigen österreichischen Schriftstellerin steht nicht der Inhalt im Vordergrund ihrer Texte, sondern die Sprache. Dieser ungewöhnliche Zugang findet gerade erst Aufmerksamkeit. Haider ist mittendrin sich als eigenständige Stimme der zeitgenössischen Literatur zu etablieren. Ihr Debütroman „Kongregation“ erschien erst vor rund fünf Jahren. Dieser beeindruckte nicht nur sprachlich, sondern auch auf Ebene der Handlung.

Debütroman mit 30

Das Buch wird in der Wir-Form erzählt. Eine Gruppe Jugendlicher, denen das Leben im Dorf zutiefst zuwider ist, wird durch eine Todesserie dezimiert. Was sich zunächst anhört, wie ein klassischer Thriller, ist jedoch ein literarisches Kunstwerk. Die mächtige Sprache fesselt durch ihren fast schon musikalischen Klang. Haider selbst beschrieb ihr Buch als ihren ersten ernsthaften Text. Die Mutter zweier Kinder entschloss sich am Tag ihrer Diplomprüfung dazu das Buch zu schreiben. Eine Karriere als Pianistin gab sie auf, denn sie hasste es auf der Bühne gegen die Zeit zu spielen. Als Autorin kann sie einen Text so lange bearbeiten, bis sie zufrieden ist, das ist als Musikerin in der Öffentlichkeit nicht möglich. Doch diese ist nicht ganz aus ihrem Leben verschwunden. Sie arbeite immer zur Musik, sagte sie einmal.

Der Literaturbetrieb hat von ihr Notiz genommen, jetzt ist der Theaterbetrieb kurz davor. Dass sie ihre Texte auch entsprechend vorbringen kann, hat sie selbst schon unter Beweis gestellt. Ihr mündlicher Gestus brachte ihr beim letzten Bachmann-Wettlesen den Publikumspreis ein. Nun geht es an die Bühnen. Das Schauspielhaus Wien startet im Dezember mit dem „Splatterbericht Am Ball“, das Volkstheater führt „Kreuz brechen“ auf.

Debütroman mit 30
Debütroman mit 30

Nach mittlerweile fünf Büchern scheint Lydia Haider bereit für das Theater zu sein. Daran schätzt sie die Offenheit, Neues zu probieren, ohne sich in allzu bekannten Gefilden zu tummeln. Schreiben ist für sie beinahe schon ein körperlicher Vorgang. Sie raucht, hört Musik, trinkt und schreibt vor allem mit der Hand. Gerade die Musik nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Sie funktioniert für Haider wie ein Trigger. Da sie immer dieselbe Musik hört, bedeutet diese für sie dass es Zeit ist mit dem Schreiben zu beginnen. Dabei geht es ihr um das Tempo und die Harmoniewechsel. Hip-Hop und Hardcore-Metal geben ihre die Kraft ihre Ideen auf Papier zu bringen. Für ihre Texte bedeutet das möglichst nicht abzusetzen und diese Atemlosigkeit dem Leser aufzuzwingen. Weitere Bühnenstücke sind bereits geplant, das Publikum darf gespannt sein.